Isa Genzken

Isa Genzken setzt sich mit künstlerischen, psychologischen und sozialpolitischen Themen auseinander, wobei ihr Umgang mit der Bildhauerei gleichsam analytisch wie unkonventionell ist. So ist ihre Formensprache einerseits aus einer konstruktiven bildhauerischen Tradition verständlich und enthält andererseits deutliche Referenzen auf die soziale und gesellschaftliche Umwelt. In ihren Säulen erforscht Isa Genzken z.B. das Geheimnis von Innen und Außen, Oberfläche und Tiefe. Die Proportionen sind extrem: größer als der Durchschnittsmensch, aber grazil genug, um ein monumentales Erdrücken zu vermeiden. Das Verhältnis von Höhe und Breite lässt unweigerlich an Wolkenkratzer denken, wie sie für Genzken seit ihrem Aufenthalt in New York eine immer größere Rolle spielen. Unter Verwendung oftmals einfachster Materialien wirken ihre Arbeiten schrill und laut und stellen die (klassische) Bildhauerei grundsätzlich infrage. Ihre Installationen und Skulpturen machen dabei auf gesellschaftliche Gegensätze – provokativ und immer mit dem Ziel, sich auf ungesichertes Terrain hinaus zu wagen und normative Sehgewohnheiten zu (zer)stören. Mit ihrem Werk und ihrer kritischen Position nimmt sie eine führende Rolle im internationalen Diskurs zur Bildhauerei ein. So widmete ihr das Museum of Modern Art 2013 eine umfassende Retrospektive und 2017 wurde ihr der Goslaer Kaiserring verliehen. Zur Begründung hieß es u.a., Ihre Installationen und Skulpturen machten auf die Gegensätze und Brutalitäten in der Gesellschaft aufmerksam.

Isa Genzken wurde 1948 in Bad Oldesloe geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Isa Genzken, Nofretete, 2018, plasterbuston,
wooden base, sunglasses MDF plinth, 190 x 35 x 36 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020